Die Geschichte Stuttgarts

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Glaubt man den Überlieferungen, ist Stuttgart dem Gestüt „Stuotgarten“ entwachsen, das 950 nach Christus Herzog Liudolf von Schwaben in einer Talerweiterung des Nesenbachs angelegt haben soll.

Doch schon lange davor haben sich Jäger der Eiszeit hier angesiedelt, wie Funde am Traventinsteinbruch im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt belegen.

Die Anfänge

Um etwa 90 nach Christus erwuchs die erste Siedlung im heutigen Stuttgarter Stadtgebiet. Um die sich hier treffenden Verkehrswege zu sichern, wurde ein römisches Reiterskastell angelegt, welches den Namen "Kastell Cannstatt" erhielt. Um dieses Kastell herum erwuchs nun die Siedlung und auch als das Kastell weiter östlich an den Limes verlegt wurde, blieb die Siedlung bestehen, weil die Handwerker den großen Nutzen des Verkehrsknotens für sich erkannten.

Doch nicht nur ansässige Bürger blieben, sondern immer mehr Fremde kamen hinzu und die Siedlung vergrößerte sich zusehends. Als 260 nach Christus die Römerzeit endete, konnte sich die Siedlung des heutigen Stuttgarts gegen den Einfall der Alemannen behaupten und wurde nicht zerstört.

Als im 7. Jahrhundert die sogenannte Martinskirche auf dem heutigen Friedhof errichtet wurde, wurde diese schon kurze Zeit nach Fertigstellung als Mutterkirche für die gesamte Region ausgerufen, da die Verkehrswege hierhin optimal verliefen. Im 10. Jahrhundert schließlich entstand das oben bereits erwähnte Gestüt, das der heutigen Landeshauptstadt von Baden-Württemberg ihren Namen verlieh.

Stadtgründung und Aufstieg zur Herzogresidenz

Anfang des 13. Jahrhunderts kam es schließlich zur Stadtgründung, in derem Zuge die gesamte Siedlung rund um das Gestüt in die Hände des Markgrafen von Baden fiel, welcher sie 1219 zur Stadt erhob. Ein paar Jahre später wurde, auch zum Zeichen des neu gewonnen Status, eine Wasserburg erbaut.

Die folgenden Jahrhunderte fielen immer wieder Eroberer über Stuttgart her, was dazu führte, dass man zahlreiche Verstärkungen und Befestigungen für die Stadt anlegte, damit sie im Ernstfall besser verteidigt werden konnte. 1495 wählte der Herzog Stuttgart als Residenz, was einen weiteren Grund für Sicherheitsmaßnahmen bildete, bis 1565 eine komplett neue Stadtbefestigung erbaut wurde, welche auch das Umland und die Vorstädte miteinschloss.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Stuttgart zur Hauptstadt des Königreichs Württemberg ernannt, was einen enormen wirtschaftlichen, politischen und religiösen Aufschwung mit sich brachte. Gleichzeitig begann hier die Industrialisierung, was zu einem abrupten Anstieg der Bevölkerungszahl führte. Von 1834 bis 1871 hatte sich die Einwohnerzahl Stuttgarts mehr als verdoppelt.

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen

Unter dem Zweiten Weltkrieg hatte Stuttgart schwer zu leiden, da gerade gegen Kriegsende von den Amerikanern unzählige Luftangriffe gegen die Metropole geflogen wurden. Über 180.000 Bomben trafen die Stadt, wodurch tausende Einwohner getötet und ein Großteil der Häuser und öffentlichen Einrichtungen zerstört wurde. Am 22. April 1945 eroberten und besetzten die Amerikaner und Franzosen das Gebiet. Stuttgart wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges der amerikanischen Besatzungszone zugehörig erklärt.

1948 bewarb sich Stuttgart als neue Hauptstadt für die frisch gegründete Bundesrepublik Deutschland, schied jedoch wegen der finanziell enorm hohen Belastung aus. Arnulf Klett, der nach dem Krieg zum neuen Oberbürgermeister gewählt wurde, verzichtete weitgehend auf eine historisch korrekte Rekonstruktion wichtiger Gebäude (z. B. rund um den Marktplatz). Stattdessen ließ er die Ruinen fast komplett abtragen und auf dem Birkenkopf ablagern, wodurch ein Trümmerberg aus Millionen Kubikmetern von Überresten des Krieges entstand.

Ein wichtiger Grund für den Oberbürgermeister war es, aus Stuttgart eine autogerechte Großstadt zu machen, weshalb er auch vom Krieg verschonte Gebäude und Plätze abreißen oder grundlegend verändern ließ, um so eine bessere Infrastruktur in der Stadt zu schaffen.

Stuttgarts zweites Erwachen

In den 50er Jahren kamen unzählige Vertriebene zurück, wodurch die Einwohnerzahl erneut auf ein gutes Doppel (im Jahre 1962 wurden 640.000 Einwohner gezählt) sprunghaft anstieg. In den kommenden Jahren wurde Stuttgart immer mehr zu einer bedeutenden Großstadt in Deutschland, weshalb in den 70er Jahren zahlreiche verkehrstechnische Umbauten (wie zum Beispiel das des S-Bahn-Systems) erfolgten.

Mit ca. 600.000 Einwohnern ist Stuttgart heute die zweitgrößte Stadt Süddeutschlands und rangiert auf Platz sechs im bundesweiten Ranking. Sie gilt als einer der wirtschaftsstärksten Standorte in Deutschland.